Ganz große Kirchenmusik

Scheyern (PK) Einen festlichen Beginn der Adventszeit haben die Zuhörer am Wochenende in der Scheyerer Basilika genossen. Gleichzeitig feierte Christian Bischof als musikalischer Leiter den gelungenen Abschluss seines Wirkens im Kloster Scheyern.

 Die beiden Aufführungen am Samstag und Sonntag von Heinrich von Herzogenbergs Oratorium „Die Geburt Christi“ waren „die letzten großen Konzerte in diesem Jahr“, die unter seiner Leitung stattfanden, erklärte Christian Bischof dem PK. Nächstes Jahr werde er im Rahmen der Sommerkonzerte als künstlerischer Leiter noch einmal für die „Nachtmusik im Klosterhof“ zur Verfügung stehen, ansonsten aber sei sein neuer Wirkungskreis ab Jahresbeginn in München an der Stadtpfarrkirche St. Margaret. Die Möglichkeit, in einer solchen Kulturstadt und einer so großen Kirche zu arbeiten, sei neben privaten Gründen für ihn eine neue Herausforderung, der er sich gerne stellen wolle. Trotzdem aber falle es ihm schwer, „den Chor, den ich nach meinem Gusto geformt habe“, zu verlassen. In den zweieinhalb Jahren seiner Tätigkeit sei viel geschehen, deshalb behalte er Scheyern immer in guter Erinnerung.

Einen großen Stellenwert darin werden sicher die beiden Aufführungen von Herzogenbergs Weihnachtsoratorium haben, das dem Publikum ganz große Musik bescherte: passiv und aktiv. Denn diese Mischung aus Kirchenmusik und Gottesdienst basiert darauf, dass sich die Kirchenbesucher gesanglich integrieren und musikalisch als Teil des Ganzen fühlen. Somit hatte man Gelegenheit, zusammen mit den Instrumenten des „Consortium Musicum Schyrensis“, dem Basilikachor und dem Kinder- sowie Jugendchor der „Basilikasingschule Scheyern“ gemeinsam zu singen.

Das fiel dem Publikum umso leichter, da die Choral- und Chorsätze bekannte Weihnachtslieder enthalten, die jeder kennt und gerne mag. Und die wiederum sind eingebettet in die Teile „Die Verheißung“, „Die Erfüllung“ und „Die Anbetung“, also dem Geschehen rund um die Geburt Christi. Ein jeder dieser Sätze bietet reichlich Gelegenheit für Chor, Orchester und Solisten, in stetem Wechsel oder zusammen, sich auszuzeichnen, was allen bestens gelang. Es ist müßig, jemanden besonders herauszugreifen, denn mit Sopranistin Katharina Ruckgaber, Altistin Ulrike Malotta, den Tenören Martin Platz und Alexander Reber, den Bassisten Nikolai Ardey und Thomas Gropper hatte Christian Bischof die Gesangssolisten bestens besetzt.

Dazu passten kompositorische Glanzlichter wie das Sangesduett von Maria (Katharina Ruckgaber) und Joseph (Thomas Gropper), einer der Höhepunkte der gesamten Komposition, ebenso wie der Chor der Engel im zweiten Kapitel, in der Partitur mit „Maestoso“ bezeichnet. Der schwingt sich zu einem gewaltigen, vielstimmigen Fortissimo aus Chor und Orchester auf, am Ende unterstützt von brausenden Orgelklängen.

Ganz gegensätzlich dazu der Beginn des dritten Teils mit der Hirtenmusik, dominiert von der Oboe, stimmungsvoll intoniert von Susanne Schlusnus, im gefühlvollen Dialog mit Benedikt Stromeier am Violoncello. Gleich darauf der Chor der Kinder, von den Streichern unterstützt mit zarten Pizzicati, gefolgt vom Chor der Hirtenknaben, während beim Chorgesang „Kommet ihr Hirten“ wiederum die Oboe dem Geschehen eine heitere Note verleiht.

Das ganze Oratorium ist gekennzeichnet von viel musikalischer Abwechslung im Rahmen der Weihnachtsgeschichte, durch deren Handlung 1.Tenor Martin Platz als Erzähler und Evangelist beeindruckend führte. Das Orgelnachspiel am Ende des Konzertes enthielt Elemente des Vorspiels zu Beginn und gab trotz der Vielfalt der eingesetzten Elemente dem ganzen Werk eine formale Geschlossenheit.

So wurde das fast eineinhalbstündige Konzert zu einem Genuss für Auge und Ohr, das das Publikum faszinierte und auf die Adventszeit bestens einstimmte. Das war auch ganz im Sinne von Abt Markus Eller, der vor Beginn des Konzerts an die Heilige Nacht erinnert hatte, deren Geschehen mit dieser Aufführung zum Klingen gebracht werde, nämlich die Geburt Christi. Die vielen Zuhörer an beiden Tagen erlebten eine weitgehend authentische Aufführung ganz im Sinne des Komponisten. Und das war gut so, wie es der lang anhaltende Beifall bewies.

 

Von Hans Steininiger (Pfaffenhofener Kurier)

 

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