"Bravo"-Rufe in der Basilika

Scheyern (PK) Mit einer musikalischen Kostbarkeit läuteten die Benediktinermönche der Abtei Scheyern jetzt ihre neue Sommerkonzertreihe ein. Unter der künstlerischen Gesamtleitung von Christian Bischof hatte der Basilikachor die „Petite messe solennelle“ von Gioachino Rossini einstudiert.

 

Im Altarraum der Basilika waren seitlich je ein Harmonium und ein Flügel aufgebaut. Dahinter gruppierte sich im Halbrund der Chor. 50 hoch motivierte Frauen und Männer wirkten bei der Aufführung der Messe mit. Nach Angaben des Chorleiters wurde die Messe in nur sieben Wochen einstudiert.
Rossini hatte 1863 seine „Kleine feierliche Messe“, die immerhin 90 Minuten dauert und sehr stringent komponiert ist, für die Einweihung der Privatkapelle eines mit ihm befreundeten Adeligen geschrieben. Das Ensemble bei der Uraufführung bestand aus Chor, vier Solisten und zwei Instrumentalisten am Harmonium und am Klavier.

Für die Aufführung in Scheyern hatte der musikalische Leiter Bischof vier junge Gesangstalente engagieren können. Magdalena Hinterdobler (Sopran) verfügt über eine wunderbar weiche Stimme, die auch in den Höhen nicht ausreißt. Besonders beeindruckte sie mit ihrer dramatischen Interpretation des „Crucifixus“.

Reto Raphael Rosin (Tenor) hat eine gefestigte volltönende Stimme. Sein „Domine Deus“-Solo schmetterte er wie eine Arie ins Publikum und erinnerte so daran, dass Rossini vielen als der

bedeutendste Komponist des Belcanto gilt.

Johannes Weinhuber (Bass) überzeugte das Publikum durch sein immenses Stimmvolumen: Er setzte Akzente bei seinem „Quoniam“-Solo, das er im schnellen Wechsel lyrisch und dramatisch gestaltete.

Katharina Magiera (Alt) ist ein Ausnahmetalent. Bei ihrem „Agnus Dei“-Solo führte sie vor, wie tief, durchdringend und voll eine sogenannte „Unterstimme“ klingen kann. Das dunkle Timbre ihrer Stimme, ihre deutliche, höchst natürliche Artikulation und ihre anrührende Interpretation erreichten den Zuhörer im Innersten.

Den Auftakt des Konzertes markierte ein längeres Vorspiel auf einem Harmonium. Dabei handelte es sich um ein originales Instrument aus dem Jahr 1840. Der erst 26-jährige ungarische Balázs Szabó, ein bereits mehrfach ausgezeichneter Organist und europaweit gefragter Orgelsachverständiger, hat das Instrument in Paris entdeckt, es selbst restauriert und bei der Aufführung in Scheyern virtuos gespielt.

Dieses Stück wurde als Offertorium erneut nach dem Credo gespielt, in der Variation für Klavier. Am Steinway B-Flügel saß Katja Bouscarrut. Die quirlige Französin begleitete virtuos. Ihr Klavierspiel wurde zur kunstvollen instrumentalen Klammer um die gesamte Messe.

Die Basilika war bis auf den letzten Platz besetzt. Am Ende des Konzertes stand das Publikum auf, rief „Bravo“ und klatschte so lange Beifall, bis das Ensemble nochmals das „Sanctus“ anstimmte. Das nächste Konzert im Kloster Scheyern mit Arien aus Opern von Händel und Mozart findet am Samstag, 16. Juli, statt. Beginn ist um 20.30 Uhr im Klosterinnenhof.

 

Von Lisa Schmaus

PK | Eröffnungskonzert der „Sommerkonzerte Kloster Scheyern 2011“

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