Bischof lässt Karhausen-Orgel leuchten

Mit einem grandios farbenreichen Programm brachte Christian Bischof beim zweiten Sommerkonzert in St. Alban die Karhausen−Orgel zum Leuchten. Der junge Würzburger Organist und Christoph−Bossert−Meisterschüler faszinierte das zahlreiche Publikum in der festlich geschmückten Wallfahrtskapelle mit seinem besonderen Gespür für Orgelliteratur und seinem feinen Klangfarbensinn.

Dies zeigte sich schon bei der Stückauswahl des 17. Jahrhunderts mit den lieblichen Blockflötenklängen und chromatisch verschlungenen Variationen des schwäbischen Meisters Steigleder, oder dem Schlachten−Szenario eines panischen Anonymus mit hellen Trompetenregistern und überraschend modern wirkenden repetierten Mollseptakkorden. Dazu das über− aus gewitzte „Cucu“−Capriccio von 1679 des langjährigen Münchener Hofkapellmeisters Johann Caspar Kerll. Seine Klangexperimente mit der kleinen Kuckucks−Terz stecken voller musikalischem Charme.


Virtuose Schärfe

Das streng konzentrierte Bachsche „Kyrie, Gott Vater“ mit dem immer wieder aufleuchtenden Cantus firmus leitete über zu Mozarts f−Moll−Fantasie für Orgelwalze, fast grenzwertig für die Karhausen−Orgel mit ihrem explosiven Allegro−Furor. Auch für den Organisten ist das zehnminütige Werk von hohem Anspruch mit seinen achtstimmigen Riesenakkorden, den Doppeltrillern und Fugen und verminderten Akkorden von fast Lisztscher Sprengkraft. In seinem letzten Wiener Jahr 1791 schrieb Mozart für einen Automaten des Deym−Müllerschen Kunstkabinetts diese Noten von ungeahnt virtuoser Schärfe und harmonischer Radikalität.

Gegensätzliche Gestimmtheiten

Christian Bischof beruhigte die Gemüter mit dem „Andante Cantabile“ aus Mozarts C−Dur−Klaviersonate, dessen gegensätzliche Gestimmtheiten er geschickt mit den Orgelklangfarben einfing. Abschließend widmete er sich mit der 1. Sonate op. 65, f−Moll, von 1844 dem vielfältig neu entdeckten Jubilar Mendelssohn Bartholdy, der hier glanzvoll jenem Topos der Romantik nachspürt von „Hell−Dunkel“ oder „Nah und Fern“.

Faszinierend steigerte und vereinte der Würzburger Organist Christian Bischof allmählich die widerstrebenden Stimmen um das Choralmotiv „Was mein Gott will“ zu einem alles umschlingenden strahlenden Finale.

 

AZ | Erscheinungstag: 11.07.2009 − Zeitung: AZ − Ausgabe: B−MO − Ressort: KUL − Seite: 39 
Von Gabriele Schroth

 

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